Elvis und der Blues: Crudup, Beale Street, B.B. King
Elvis und der Blues: Wie Arthur Crudup, die Beale Street und B.B. King ihn prägten und wie man die Aneignungs-Debatte ehrlich einordnet.
Ohne den Blues hätte es Elvis Presleys Musik nie gegeben. Künstler wie Arthur Crudup, Orte wie die Beale Street und Begegnungen mit Größen wie B.B. King prägten seinen Sound zutiefst. Diese Wurzeln zu kennen bedeutet auch, eine ehrliche Debatte über Anerkennung und Aneignung zu führen.
Welche Rolle spielte Arthur Crudup für Elvis?
Arthur “Big Boy” Crudup war einer der wichtigsten Blues-Einflüsse für Elvis. Von ihm stammte “That’s All Right”, das Elvis 1954 als seine erste Single bei Sun Records aufnahm. Crudup hatte das Stück bereits 1946 selbst eingespielt.
Elvis verwandelte die Bluesnummer in eine schnelle, ausgelassene Version, die als einer der ersten Rock’n’Roll-Songs gilt. Wie dieser Moment im Studio entstand, erfährst du im Beitrag über die Entstehung bei Sun Records. Bitter ist: Crudup erhielt zu Lebzeiten kaum Tantiemen für seine Kompositionen.
Warum war die Beale Street so wichtig?
Die Beale Street in Memphis war das pulsierende Herz der schwarzen Musikszene und für den jungen Elvis ein Sehnsuchtsort. In den frühen 1950er Jahren zog es ihn immer wieder dorthin, wo er den elektrischen Blues aus den Clubs hörte und die Mode der Musiker bestaunte.
Als weißer Teenager in einer streng nach Hautfarbe getrennten Stadt überschritt Elvis damit eine soziale Grenze. Diese Faszination prägte nicht nur seine Musik, sondern auch sein Auftreten und seinen Kleidungsstil. Mehr über sein Aufwachsen in dieser Welt liest du im Beitrag über seine frühen Jahre.
Wie stand Elvis zu B.B. King?
Elvis und B.B. King begegneten sich in Memphis und schätzten sich gegenseitig. King, einer der größten Bluesmusiker überhaupt, äußerte sich später überwiegend wohlwollend über Elvis. In seiner Autobiografie betonte er, Elvis habe seine musikalischen Wurzeln offen gezeigt und sei stolz darauf gewesen.
Zugleich war Kings Blick differenziert. An anderer Stelle merkte er kritisch an, dass dieselbe Musik plötzlich anders bewertet wurde, sobald ein weißer Sänger sie aufführte. Diese Spannung führt direkt zur größeren Debatte um Anerkennung und Aneignung.
Wie ist die Aneignungs-Debatte einzuordnen?
Die Debatte um kulturelle Aneignung lässt sich nicht mit einem einfachen Urteil beenden. Auf der einen Seite war Elvis ein aufrichtiger Bewunderer schwarzer Musik, der seine Quellen oft offen nannte und nie verleugnete. Auf der anderen Seite profitierte er enorm von einem Musikmarkt, der schwarzen Künstlern verschlossen blieb.
Ein viel diskutiertes Beispiel ist “Hound Dog”. Das Lied wurde zuerst von Big Mama Thornton aufgenommen, doch ihre Version blieb in den Pop-Charts unsichtbar, während Elvis Aufnahme millionenfach verkauft wurde. Auch Arthur Crudup sah erst spät und über Umwege etwas vom Erfolg seiner Songs. Ehrlich bleibt: Der Rock’n’Roll, wie ihn Elvis populär machte, stand auf den Schultern schwarzer Künstler, die selten gerecht entlohnt oder gewürdigt wurden.
War Elvis ein Dieb oder ein Brückenbauer?
Weder das eine noch das andere allein trifft zu. Elvis war kein Dieb im wörtlichen Sinn, denn er coverte Songs auf legalem Weg, wie es damals üblich war. Er war aber auch nicht der alleinige Schöpfer eines Stils, den er vielmehr aus bestehenden Quellen formte.
Am ehrlichsten ist das Bild eines Künstlers, der Türen öffnete und zugleich von tief ungerechten Strukturen profitierte. Wer Elvis heute hört, sollte die Namen Crudup, Thornton und King mitdenken. So wird aus Bewunderung ein vollständigeres, gerechteres Bild. Wer tiefer einsteigen will, findet bei uns auch Elvis auf Vinyl mit vielen seiner Blues-geprägten Aufnahmen.
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Häufige Fragen
Welchen Blues-Song machte Elvis berühmt?
Elvis machte 'That's All Right' von Arthur 'Big Boy' Crudup berühmt. Es war 1954 seine erste Single bei Sun Records und gilt als einer der ersten Rock'n'Roll-Songs.
Was war die Beale Street für Elvis?
Die Beale Street in Memphis war das Zentrum der schwarzen Musikszene. Der junge Elvis hielt sich oft dort auf, hörte den Blues der Clubs und nahm Kleidung und Stil in sich auf.
Kannten sich Elvis und B.B. King?
Ja, Elvis und B.B. King begegneten sich in Memphis. King äußerte sich später überwiegend wohlwollend über Elvis und betonte, dieser habe seine musikalischen Wurzeln offen gezeigt.
Wurde Elvis Aneignung schwarzer Musik vorgeworfen?
Ja, dieser Vorwurf wird bis heute diskutiert. Fakt ist, dass schwarze Originalkünstler wie Crudup oder Big Mama Thornton kaum am Erfolg ihrer Songs beteiligt wurden, während Elvis Millionen verkaufte.